DM 2012

Deutsche Meisterschaften auf der Mur

06.-09.Juni 2012

Ausrichter: KK Rosenheim

Ergebnisse:

Joshua Piaskowski erfolgreichster Sportler

Murau / Österreich (dp) Als letzte Standortbestimmung vor den Weltmeisterschaften standen über das Fronleichnam-Wochenende die Deutschen Meisterschaften auf der Mur auf dem Programm. Bundestrainer Gregor Simon zeigte sich mit den Leistungen seiner WM-Fahrer zufrieden, sieht aber vor allem bei den Herren noch Potential nach oben.

Nachdem zu Wochenbeginn noch reichlich Niederschläge für Hochwasser gesorgt haben, zeigte sich pünktlich zum Start der Wettkämpfe das Wetter von seiner besten Seite: 20 Grad und Sonne sorgten beim Auftakt für perfekte Wettkampfbedingungen. Auf die Sportler wartete ein hartes Programm: Donnerstag begannen die Wettkämpfe mit der Classic-Einzeldistanz, Freitag folgten die Mannschaftswettkämpfe im Classic,  ehe zum Abschluss am Samstag die Sprinter im Einzel und der Mannschaft zum Zuge kommen sollten.

 

Vor allem die riesen Unterschiede bei der Streckenlänge sollten die Sportler vor arge Probleme stellen: Eine kräfteraubende Classicstrecke mit 20 Minuten Belastung und keiner Möglichkeit durchzuschnaufen – und im krassen Gegensatz dazu ein Sprint von nur knapp über 40 Sekunden sorgten für spannende Entscheidungen und ein buntgemischtes Podium. Während bei den Herren über die klassische Distanz noch die üblichen Verdächtigen dominierten – der Kölner Tobias Bong siegte mit souveränem Abstand vor den beiden Braunschweigern Achim Overbeck und Sören Falkenhain – gab es im Sprint der Herren eine kleine Sensation: Zwar zeigte Björn Barthel (Ludwigshafen)  schon beim Sprint-Ranglistenrennen in Hohenlimburg eine beachtliche Leistung, den Meistertitel haben ihm aber im Voraus wohl die wenigsten zugetraut. Und so kam es, dass einige Herrenfahrer ziemlich erstaunt blickten, als Barthel mit seinem ersten Sprint-Lauf die bisherige Bestzeit und sich mit einer Sekunde Vorsprung an die Spitze setzte. Diesen Vorsprung ließ er sich auch im zweiten Lauf nicht mehr nehmen und Barthel setzte sich vor Sebastian Verhoef und Tobias Bong (beide Köln) durch. Bundestrainer Gregor Simon war von den Leistungen seiner Herren indes nicht 100%ig überzeugt: „Marc Rösner (Altrip) befand sich nach zuletzt harten Trainingseinheiten in einem Tief und konnte keine Topleistung abliefern.“ Ähnlich einzuschätzen ist nach Aussage des Bundestrainers die schwache Leistung von Björn Beerschwenger (Köln), der beide Duelle gegen Sören Falkenhain (Braunschweig) verlor und nun „auf der WM beweisen will, dass seine Nominierung gerechtfertigt ist.“

Bei den Kajak-Damen bewies die Rosenheimerin Manuela Stöberl bereits eine beachtliche WM-Form und gewann sowohl den Sprint als auch die Classic. Sabine Füßer (Augsburg) hatte sich nach Anweisung des Bundestrainers beim vorangegangen Weltcup bewusst total in den Keller gefahren, um die nötige Wettkampfhärte zu trainieren. Dennoch sprang im Sprint einer guter zweiter Platz vor Alke Overbeck (Celle) heraus, die im Classic zweite wurde. Die vierte WM-Fahrerin im Bunde, Maria Hollerieht aus Rosenheim,  bewies mit ihrer Bronzemedaille über die Classicstrecke, dass sie ein heißer Kandidat für die Classic-Mannschaft bei der WM ist.

Bei den Canadiern wenig neues

Favoritensiege gab es bei den Canadierdisziplinen. Normen Weber (Augsburg) gewann beide C1-Distanzen jeweils vor Tim Heilinger. Zudem konnte sich Weber im großen Boot zusammen mit Rene Brücker den zweiten Rang auf der klassischen Distanz sichern. Den C2 gewannen Maik Schmitz und Matthias Nies von der RG NRW, die sich somit ihren ersten gemeinsamen Deutschen Meistertitel sicherten. Über die Sprintdistanz wollten dann die letztjährigen Weltmeister Johannes Baumann und Lars Walter ihren enttäuschenden dritten Classicrang vergessen machen. Mit zweimal Laufbestzeit gelang den beiden Fuldaern dies auch beeindruckend. Damit beendeten sie auch zugleich die Spekulationen, dass das Erfolgsboot noch nicht in WM-Form sei. „Über das Sprintboot von Baumann-Walter habe ich mich besonders gefreut – bei der Quali sah das noch nicht so souverän aus. Aber mit diesem Ergebnis habe ich jetzt für die WM berechtigte Hoffnungen auf eine Einzelmedaille.“, analysiert der Bundestrainer.

Insgesamt zeigte sich Simon zufrieden mit den Leistungen seiner WM-Fahrer und ist für die Weltmeisterschaften optimistisch: „Bis auf die Kajak-Herren sind wir voll im Soll. Und uns bleiben ja auch noch zwei Wochen zur Vorbereitung.“

Kanu-Club Fulda erfolgreichster Verein bei der DM

Bester Verein bei den Deutschen Meisterschaften war wieder einmal der Kanu-Club Fulda: Mit sechs Goldmedaillen, zweimal Silber und sieben Mal Bronze wurden die Barockstädter bereits zum vierten Mal innerhalb von fünf Jahren zum erfolgreichsten Verein der Deutschen Meisterschaften gekürt wurde. Mit großem Abstand folgten PSV Braunschweig (4-3-3) vor dem KCD Düsseldorf (4-3-2). Maßgeblichen Anteil an dem wiederholten Triumph des Kanu-Club Fulda hatte der Jugendfahrer Joshua Piaskowski. Mit seinen vier Goldmedaillen, einer Silber- und einer Bronzemedaille avancierte er zum erfolgreichsten Sportler der Wettkämpfe. KCF-Meistermacher und Chef-Trainer Harald Piaskowski zeigte sich nach dem Medaillenregen mächtig stolz auf seine Schützlinge: „Absolute Spitze, was wir hier erreicht haben – einfach nur grandios“. Mit der Medaillenausbeute waren die KCF-Verantwortlichen mehr als zufrieden: „Auf fünf Goldmedaillen hatten wir gehofft -  sechs sind es geworden, besser geht es nicht.“, so die einhellige Meinung der Trainer. Im nächsten Jahr richtet der KCF die Deutschen Meisterschaften auf der Muota in der Schweiz nahe Schwyz aus. Dies soll ein Event der Extraklasse werden – und die Vorbereitungen laufen schon. „Nach der DM ist vor der DM“, erklärt Organisationsleiter Harald Piaskowski. Bereits auf der Heimfahrt aus Österreich schmiedete er Pläne für das Event.

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DM-Splitter:

Mur: Die Mur entspringt in den Niederen Tauern in der so genannten Schmalzgrube auf einer Höhe von 1.898 m. Sie ist insgesamt 453 km lang und durchfließt die Länder Österreich, Slowenien, Kroatien und Ungarn. Charakteristisch für den Fluss ist die eiskalte Wassertemperatur: momentan max. 10 Grad.

Nachtsprint: Zum Abschluss der Wettkämpfe gab es auf der Sprintstrecke ein besonderes Event: Unter Fluchtlicht fand ein Nachtsprint statt. Dieses Head-to-Head Rennen gewann der deutsche Sprintmeister Björn Barthel.

Teurer Titel: In den Mannschaftsrennen über die Classicdistanz kollidierte der Kölner Sebastian Verhoef nach Überquerung der Ziellinie unverschuldet mit einem Stein -  wodurch die Spitze seines neuen WM-Bootes abbrach. Da tröstete auch der Gewinn des Deutschen Meistertitels wenig über den hohen Schaden. Sponsoren für ein neues WM-Boot sind herzlich willkommen!

Bericht von David Piaskowki, Fotos von Patrik Kroener