Europameisterschaften 2007

Medaillen-Regen für die deutschen Wildwasserkanuten

Bei der Europameisterschaft der der Wildwasser- Kanuten auf der Una im bosnischen Bihac betätigten sich die Athleten der deutschen Nationalmannschaft wieder einmal als eifrige Medaillensammler. 11 Medaillen sorgten für gute Stimmung bei Trainern und Athleten.

Gold und 2 x Silber im Classic – Einzel


Nach den erfolgsver-sprechenden Trainingstagen standen als erstes die Classicrennen auf dem Programm. An Max Hoff, der bereits im Nonstop als bester Fahrer seine Qualitäten zeigte, ging kein Weg vorbei. Er kontrollierte das Feld auf der gesamten Strecke und siegte mit einem Vorsprung von fünfzehn Sekunden. Aber die Tränen in seinen Augen waren keine Freudentränen, denn er musste mit seinem Freund und Trainer Stephan Stiefenhöfer leiden. In seinem letzten internationalen Jahr wollte sich der Canadier- Weltmeister noch einmal im Kajak beweisen, aber er konnte sich lediglich für die Sprintläufe der EM qualifizieren. Ebenso wie sein Vereinskollege Sebastian Verhoef trat er als Vorstarter außer Konkurrenz an, um eine Chance für einen Startplatz im Teamrennen zu bekommen. Mit seiner Zeit von 11:30,79 Minuten sicherte er sich nicht nur einen Platz im deutschen Team, sondern er hätte auch Bronze gewonnen, wenn er offiziell gestartet wäre. Achim Overbeck konnte sich mit einem vierten Rang als bestes Resultat seiner Karriere glänzend in Szene setzen. Florian Wohlers und Lars Walter erreichten die Plätze 11 und 14 in diesem Rennen.
Im Einer – Canadier der Herren holte Normen Weber seine erhoffte Einzelmedaille. Er gewann nach einem spannenden Endspurt die Silbermedaille hinter dem Croaten Emil Milihram mit nur 2,2 Skeunden Rückstand. Aber auch seine Mannschaftskollegen Julian Rohn und Dominik Pesch waren mit ihren Platzierungen sieben und zehn zufrieden.
Bei den Damen ging an den Tschechinnen kein Weg vorbei. Die mehrfache Weltmeisterin Michala Mruzkova siegte vor ihrer Landsfrau Lenka Lagernova und der Schweizerin Sabine Eichenberger. Beste Deutsche im Feld auf Platz fünf wurde Sabine Füßer, die bei der Zwischenzeit auf der Hälfte der Strecke noch auf Rang drei lag. Die erst 19 jährige Alke Overbeck erreichte in ihrem ersten Damenjahr einen guten sechsten Platz. Manuela Stöberl und Silke Kassner rundeten das Ergebnis mit den Rängen 9 und 10 ab.
Mit Spannung erwarteten alle die Entscheidungen im Zweier-Canadier. Die Franzosen Santamaria-Leblond führten das Feld souverän vom Start bis zum Ziel an. Die Plätze zwei bis vier trennte nur eine Sekunde. Schon bei der Zwischenzeit lagen die drei Boote gleichauf. Im Endklassement konnten sich Tobias Trzoska und Martin Ulrich die Silbermedaille vor den Slovaken Vala-Slucik sichern. Undankbare vierte wurden die Weltmeister des vergangenen Jahres Uli Andree und Patrick Driesch. Das Siegburger Duo Maik Schmitz und Nils Knippling komplettierte auch hier das hervorragende Mannschaftsergebnis mit Platz sieben.


1x Gold und 3 x Silber in der Classic Mannschaft


Nach diesen Einzelergebnissen gingen alle Kategorien hoffnungsvoll in die Mannschaftsrennen. Die Kajak- Herren starteten am Anfang des Feldes und mussten lange Zeit im Ziel warten bis endlich ihr Ergebnis feststand. Mit einem Rückstand von 3 Sekunden sicherten sich Max Hoff, Stephan Stiefenhöfer und Achim Overbeck Rang zwei hinter den starken Tschechen.
Auch im Einer- Canadier lagen die drei erstplatzierten Mannschaften dicht zusammen. Leider verpasste das deutsche Team mit Normen Weber, Julian Rohn und Dominik Pesch durch einen kurzen Fahrfehler von Normen den Sieg und erreichte trotzdem noch einen hervorragenden zweiten Platz nur 2 Sekunden hinter dem Team aus Croatien.

Überraschend gut lief es auch bei den Damen. Sabine Füßer, Alke Overbeck und Manuela Stöberl konnten mit ihrer Taktik ebenfalls den zweiten Rang vor den Fahrerinnen aus Franreich und hinter den Tschechinnen, die mit einem Vorsprung von 28 Sekunden ins Ziel kamen, sichern.
Die guten Einzelergebnisse der Zweier-Canadier spiegelten sich auch im Teamrennen wieder. Tobias Trzoska – Martin Ulrich, Uli Andree – Patrick Driesch und Maik Schmitz – Nils Knippling gewannen souverän das Rennen und wurden überglücklich Europameister. Auch Ressortleiter Lutz Fahlbusch freute sich über die Ergebnisse der ersten beiden Tage, so dass er sogar ein unfreiwilliges Bad in der Una nahm.


Silber im Sprint für Florian Wohlers


Im ersten Sprintlauf konnten die deutschen Sportler ihre Erwartungen nicht ganz erfüllen. Das schwierige Schiebewasser auf der Wildwasserstrecke der Una verlangte den Sportlern einiges ab. Beste Aussicht auf einen Treppchenplatz hatte nach dem ersten Lauf Florian Wohlers im Kajak der Herren auf Rang drei. Allerdings lag das Kajakfeld so dicht zusammen, die ersten sieben Plätze keine Sekunde auseinander lagen. Durch einen traumhaften zweiten Lauf konnte sich Florian sogar noch um einen Platz auf Rang zwei mit einem Rückstand von 1,8 Sekunden hinter dem Engländer Jonathan Schofield verbessern. Max Hoff gelang anfangs ein guter erster Lauf. Kurz vor dem Ziel hing er allerdings kurzzeitig auf einer Sandbank fest und verlor dort einige Zeit und landete im ersten Lauf auf Platz 11. Auch Max Hoff und Stephan Stiefenhöfer nutzten ihre Chance und verbesserten sich im zweiten Lauf auf die Plätze sieben und acht. Sebastian Verhoef kam im Endklassement auf Rang 19 und konnte seine Erwartungen nicht erfüllen.
Bei den Einer- Canadiern hat sich Normen Weber viel vorgenommen. Leider patzte auch er auf der schwierigen Strecke mit einem Fahrfehler und ging von Platz neun aus im zweiten Lauf auf die Strecke. Hier gelang ihm ein perfekter Lauf und er konnte sich noch auf Platz fünf vorfahren. Julian Rohn und Dominik Pesch belegten die Plätze 10 und 14. Bei den Damen lag Sabine Füßer aussichtsreich auf Platz 3 nach dem ersten Lauf. Nach einer Videoanalyse des ersten Laufes entschieden sich die Damen einen anderen Weg zu fahren. Im linken Weg der „Treppe“ traf sie dann mit ihrer Spitze einen Stein und kenterte, musste rollen und wurde letzte des Feldes. Newcomerin Birgit Bach änderte ihre Route ebenfalls im zweiten Lauf und erreichte trotz eines Fahrfehlers in der linken Route einen hervorragenden fünften Platz bei ihrem ersten internationalen Einsatz. Alke Overbeck verbesserte ihre Laufzeit auch noch mal und belegte im Endklassement Platz sieben ebenso wie Silke Kassner auf Platz elf.
Im Zweier-Canadier ging an den Booten der Franzosen kein Weg vorbei. Sie gewannen die ersten drei Plätze souverän. Maik Schmitz und Nils Knippling überraschten mit zwei guten Läufen und einem fünften Platz im Sprint. Tobias Trzoska und Martin Ulrich wurden zehnte.


Silberner Tag für die Sprint Mannschaften

Erstmals international ausgetragen wurden die Rennen um die Sprintmannschaften. Auch hier gingen die Sportler nach den 8 bisher gesammelten Medaillen optimistisch in die Rennen. Nach den taktischen Vorbesprechungen verlief der erste Lauf bei den Kajak – Herren gut. Sie kamen mit nur einem Rückstand von 0,64 Sekunden auf den Siegerplatz als vierte ins Ziel. Bei den engen Abständen wurde es dann spannend im zweiten Lauf. Sie setzten alles auf eine Karte und verbesserten ihre Laufzeit noch mal um über eine Sekunde. Im Ziel haben sie schon mit der Bestzeit gerechnet, doch dann begann das Warten auf die besseren Mannschaften des ersten Laufes. Sowohl die Italiener als auch die Franzosen konnten die Zeit der deutschen Herren nicht mehr unterbieten. Das starke tschechische Team fuhr dann aber erneute Bestzeit und gewann vor Florian Wohlers, Stephan Stiefenhöfer und Max Hoff, die erstmalig nach längerer Durststrecke wieder eine Medaille für ein deutsches Kajak – Herren - Team sichern konnten.
Die Einer- Canadierfahrer mit Normen Weber, Dominik Pesch und Julian Rohn konnten sich im ersten Lauf durch eine fehlerfreie Fahrt sogar auf den Spitzenplatz mit einem Vorsprung von 0,02 Sekunden vor den starken Croaten setzen. Als letzte im zweiten Lauf ins Rennen gegangen galt es nun die starke vorgelegte Zeit des kroatischen Teams mit 3:40,34 zu unterbieten. Auch sie verbesserten ihre Laufzeit nochmals, konnten sich aber mit einer Zeit von 3:40,78 nicht mehr ganz vorne platzieren und wurden ebenso wie die Kajak- Herren zweite.
Denkbar knapp waren auch die Abstände bei den Damen. Sabine Füßer, Alke Overbeck und Birgit Bach gingen als Zweitplatzierte mit 0,04 Sekunden Rückstand vor den favorisierten Tschechinnen an den Start des zweiten Laufes. Im Ziel legten sie zunächst die Bestzeit vor den Französinnen vor. Mit Spannung erwarteten alle den Einlauf der Tschechinnen, aber auch sie verbesserten sich. Für die Damen des deutschen Teams reichte es wie schon im Classicrennen zur Silbermedaille.
Schlecht lief es dann im Zweier- Canadier. Das Duo Andree-Driesch verübte kurz hinter Treppe einen schweren Fahrfehler, der sie ins Kehrwasser schob. Sie verloren wertvolle Zeit und belegten den vierten Platz mit über fünf Sekunden Rückstand. Aussichtslos auf einen Podestplatz konnten sie ihre Laufzeit dennoch um 6 Sekunden verbessern und erreichten die zweitbeste Laufzeit. Sie blieben aber mit ihren Teamkollegen Tobias Trzoska – Martin Ulrich und Maik Schmitz – Nils Knippling im Endklassement auf Platz vier.

„Dass es an beiden Sprinttagen nicht mehr zu einer Goldmedaille reichte, heißt, wir müssen auch da die knappen Niederlagen mehr zum Anpacken nützen“, sagte Bundestrainer Günter Schröter. „ Aber insgesamt schlug sich mein Team bravourös, darauf lässt sich bestens aufbauen.“

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