Europameisterschaften 2009


Füßer – Festspiele bei den Europameisterschaften im Kanu- Wildwasserrennsport

Mit dem Gewinn von vier Gold- und insgesamt neun Medaillen, sowie dem Gewinn der Nationenwertungen in 5 von insgesamt 8 Kategorien waren die deutschen Wildwasser-Kanuten erfolgreichstes Team bei der Europameisterschaft auf der Adda in Boffetto in der Lombardei. Überragende Fahrerin des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) war die Siegburgerin Sabine Füßer, die die Einzelrennen über die Sprint- sowie Classic-Distanz gewann und gemeinsam mit Alke Overbeck (Hildesheim) und Manuela Stöberl (Rosenheim) auch noch das Teamrennen auf der Classicstrecke dominierte. Die vierte deutsche Goldmedaille steuerte das Kajak-Team der Männer mit Achim Overbeck, Sören Falkenhain (beide Braunschweig) und Tobias Bong (Köln) bei.

Dabei begann die Vorbereitung zu den Wettkämpfen mit einigen Hindernissen. Einige Sportler reisten bereits unmittelbar nach den deutschen Meisterschaften ins Valtellina, um sich mit der für sie noch neuen Strecke vertraut zu machen. Überrascht wurden sie dann durch den hohen Wasserstand der einsetzenden Schneeschmelze, der ihnen nur wenige Trainingsfahrten in den frühen Morgenstunden ermöglichte. Dennoch blieb die Stimmung im Team gut, man fand immer neue sportliche Herausforderungen z.B. im Umgang mit der Slackline oder beim Kickern und alle fieberten dem Beginn der Wettkämpfe entgegen. Da von Seiten der Organisation (die mit der typischen italienischen Lässigkeit auftrumpften) keine Informationen zu den Wettkämpfen zu bekommen waren - Startreihenfolgen, genaue Startpunkte etc. waren bis zum Tag vor dem ersten Rennen noch nicht festgelegt -, entschlossen sich der technische Delegierte für Wildwasser der ECA (European Canoe Association) Tomislav Crnkovic aus Kroatien und die deutsche Teamleaderin Manuela Gawehn zusammen die Wettkampforganisation zu übernehmen um einen reibungslosen Ablauf der Wettkämpfe zu gewährleisten.
Nachdem alles geklärt war, konnte sich das deutsche Team bestens auf die Bedingungen einstellen und die Wettkämpfe begannen nach einer grandiosen Eröffnungsfeier am Vorabend mit den Classicrennen in den Einzelkategorien.


Classicwettkämpfe

Hier entfaltete Achim Overbeck sein Potential. Nach der WM 2004 war Overbeck aus der Sportfördergruppe ausgeschieden – seine Konzentration galt danach vor allem dem Studium. Mit reduziertem Trainingsaufwand schaffte der 26-jährige Student der Bioingenieurwissenschaften jedoch immer die Qualifikation für die internationalen Einsätze - bis 2008. Für die WM in Ivrea wurde Overbeck nicht berücksichtigt. Im vergangenen Winter intensivierte Overbeck daraufhin wieder sein Training. Das sollte ihm nicht noch einmal passieren. Die nötige moralische Unterstützung kam durch Sören Falkenhain. Der 19-jährige Nachwuchsfahrer aus Braunschweig war der passende Trainingspartner für den langen Winter. Diese Kombination sollte sich auszahlen: Platz zwei und fünf für die zwei Trainingskollegen. Besser hätte es fast nicht laufen können. Erst auf den letzten Metern konnte sich Overbeck zwischen den Sieger Loic Vynisale und den drittplatzierten Remi Pete (beide Frankreich) schieben.
„Ich wusste aus den Qualifikationsrennen in Deutschland, das ich unten raus noch was drauf habe. Aber einen klitzekleinen Fahrfehler mehr und ich währ dahinter gewesen. Somit hat sich mein Urlaubssemester gelohnt,“ freut sich der Student der TU Braunschweig. Vize-Weltmeister Stephan Stiefenhöfer (Köln) kam auf Rang 13.
Im Classic-Team hätten Overbeck und Falkenhain, zusammen mit Tobias Bong (im Classic neunter), rechnerisch, nach den Einzelleistungen, hinter den Franzosen auf Platz zwei liegen müssen. Perfekte Zusammenarbeit auf den letzten Metern aber verhalf zum Sieg. „Es unglaublich stark, dass der Tobi unten noch nach vorne aufschließen konnte und wir so den Sören auf den Welle ziehen können,“ sagte Overbeck im Ziel. Falkenhain war nach dem schweren Wildwasserstück im oberen Drittel der Strecke bereits „völlig tot“ gewesen. „Ab dann ging bei mir nichts mehr,“ erklärte er später. Doch Bong hatte sich im oberen Teil gut bei den zwei Kollegen auf der Welle halten können und konnte im unteren Abschnitt die gesparte Kraft noch einmal einsetzen. Mit einer starken Aufholjagd kam das deutsche Team letztendlich mit drei Sekunden Vorsprung auf die zweitplazierten Tschechen ins Ziel. Die favorisierten Franzosen belegten nur Rang drei.
Unaufgeregt wie immer hatte die Siegburgerin Sabine Füßer das Classic-Rennen der Damen gewonnen und konnte sich über ihren ersten internationalen Einzeltitel freuen. Platz sechs ging an Alke Overbeck – nur vier Sekunden fehlten zum Treppchen. Ein Jahr nach ihrer schweren Schulterverletzung eigentlich ein Top-Ergebnis. Bei einem Fahrfehler im oberen Abschnitt der Strecke hatte sich Overbeck jedoch einen Riss ins Boot gefahren. Im Ziel war eine handbreit Wasser im Boot. Ohne den Fehler wäre eine zweite Medaille drin gewesen. Nach starken Leistungen im Frühjahr enttäuschte Manuela Stöberl (Rosenheim) mit Platz elf etwas, eine Rolle im oberen Streckenabschnitt verhinderte ein besseres Ergebnis. Silke Kassner (Köln) wurde 13.
Der Sieg im Classic-Team sollte dann Overbeck und Stöberl für ihre Fehler im Einzel mehr als entschädigen. Fast acht Sekunden Vorsprung fuhren die drei Damen auf die zweitplazierten Französinnen heraus. „Das war ein tolles Rennen, endlich hat mal alles gepasst,“ sagte Alke Overbeck anschließend, die für das Team-Rennen auf das Rennboot ihrer, als Fan mitgereisten, Schwester zurückgreifen konnte. Dadurch musste sie nicht noch schnell über Nacht ihr eigenes Boot reparieren. „Das hat mit ganz schön viel Stress erspart,“ erklärte die Braunschweigerin.
Nach dem Ausfall des Weltmeister-Zweier Andree/Driesch (Ulrich Andree kann nach einem Kreuzbandriss noch nicht wieder knien), vertraten Maik Schmitz und Nils Knippling (Siegburg) die fehlenden Medaillen-Anwärter mit Platz drei im Classic würdig. Lars Walter und Johannes Baumann (Fulda) auf Platz fünf und Tobias Trzoska mit Jannik Göbel (Oberkassel) auf Platz sechs rundeten das Ergebnis ab. Im Team-Rennen versenkten Trzoska/Göbel mir einer Kenterung leider alle Medaillen-Hoffnungen.
Im Canadier-Einer sind es harte Zeiten für das deutsche Team. Das Team um Normen Weber (Brühl) ist komplett mit beruflicher Orientierung beschäftigt. Weber auf Platz zehn im Classic hatte, neben seiner Offiziersausbildung, mit Kopfschmerzen an den Renntagen zu kämpfen. Die EM zwischen zwei Praktika gepresst, war Julian Rohn (Braunschweig) bester Deutscher auf Rang acht. „Ohne Unterstützung durch die Bundeswehr haben wir kaum eine Chance vorne rein zu fahren – die Franzosen zum Beispiel haben maximal Halbtagsjobs,“ bemerkte Rohn nachher. Dominik Pesch (Brühl) schaffte trotz gerade begonnener Elektriker-Ausbildung noch Rang zwölf. Neuling Tim Heilinger (Köln) wurde 14. Im Team-Rennen mussten sich die Weltmeister von 2008 - Weber, Rohn und Pesch - den Teams aus Kroatien und Frankreich geschlagen geben.          



Sprintrennen

Im Sprint gewann Sabine Füßer die dritte Medaille im dritten Rennen. Nach Bestzeit im ersten Durchgang, sei sie am Start zu Lauf zwei „doch etwas nervös gewesen,“ erklärte die erfolgreichste Kanutin der EM anschließend. Ein paar unnötige Wellen hatte die 34-Jährige zu Beginn im zweiten Lauf noch abbekommen, eher sie ihre Fahrt stabilisierte und das Rennen souverän auf Rang eins beendete. Im Team-Sprint blieben die deutschen Damen leider ohne Medaille. Obwohl auch Manuela Stöberl und Silke Kassner mit Platz fünf und sechs gute Einzelleistungen gezeigt hatten, harmonierten die drei deutschen Mädels nicht genug – nach Fahrfehlern blieb nur Rang vier.
Im Kajak-Einer der Herren wurden die Sprint-Platzierungen innerhalb weniger Zehntelsekunden entschieden. Alle vier deutschen Starter lagen im Endergebnis binnen anderthalb Sekunden. Zuerst noch auf Rang 17 gelegen, fuhr Tobias Bong im zweiten Lauf als bester Deutscher die viertbeste Zeit und verbesserte sich so auf Platz sieben. Zusammen mit Achim Overbeck und Christian Heil (Rheidt) konnte sich Bong im Team-Sprint die Silbermedaille hinter den Franzosen sichern.
Mehrere Fahrfehler im ersten Lauf verhinderten eine Medaille für Normen Weber im Canadier-Einer. Durch einen sehr schnellen zweiten Lauf konnte sich Weber noch auf Rang fünf schieben. Mit einer bis kurz vor Rennbeginn ausgetüftelten Taktik schafften die drei deutschen Canadier-Einer im Team-Rennen im ersten Durchgang die favorisierten Franzosen und Kroaten unter Druck zu setzten – wenige Zehntel fehlten nach ganz vorne. In diesem Fall ließen sich die Favoriten davon jedoch nicht abschrecken und legten noch einmal zu. Rohn, Weber und Pech mussten sich mit der Bronzemedaille zufrieden geben.
Unfassbares Pech widerfuhr den deutschen Zweiern mit der erneuten Kenterung von Trzoska/Göbel im ersten Lauf des Team-Sprints. Waren die zwei Bonner doch mit Rang sechs schnellstes deutsches Boot im Sprint-Einzel gewesen. Baumann/Walter wurden siebte und Schmitz/Knippling kamen auf Rang neun.

Dennoch war das gesamte deutsche Team mit den erbrachten Leistungen auf der EM hoch zufrieden und kann sich als Mitfavorit auf die im nächsten Jahr stattfindenden Weltmeisterschaften auf dem Noguera Pallaresa im spanischen Sort vorbereiten. Einige Kadersportler haben im Oktober bei den Weltcuprennen in Tasmanien die Möglichkeit weitere internationale Erfolge einzufahren.

Julian Rohn

 

Das deutsche Team bei den Europameisterschaften auf der Adda:


(für mehr Informationen über die Sportler einfach auf die Kategorien klicken)

 

Classic

Sprint

K1 Herren

Tobias Bong

Tobias Bong

 

Achim Overbeck

Achim Overbeck

 

Stephan Stiefenhöfer

Christian Heil

 

Sören Falkenhain

Niels Verhoef

 

 

 

K1 Damen

Sabine Füßer

Sabine Füßer

 

Manuela Stöberl

Silke Kassner

 

Alke Overbeck

Manuela Stöberl

 

Silke Kassner

Birgit Bach

 

 

 

C1 Herren

Normen Weber             

Normen Weber

 

Dominik Pesch              

Julian Rohn

 

Tim Heilinger                     

Dominik Pesch

 

Julian Rohn                     

Tim Heilinger

 

 

 

C2 Herren

Maik Schmitz - Nils Knippling            

Maik Schmitz - Nils Knippling            

 

Tobias Trzoska - Jannik Göbel

Johannes Baumann - Lars Walter

 

Johannes Baumann- Lars Walter

Tobias Trzoska - Jannik Göbel

Trainer und Lutz Fahlbusch
Betreuer Günter Schröter
Manuela Gawehn

Gregor Simon

Rene Brücker
Stefanie Küpper
Michael Fey


Im Rahmen der deutschen Meisterschaften wurde das Team zur EM verabschiedet