Weltmeisterschaften 2010




Geschwister Overbeck sorgen für Medaillenregen bei den Weltmeisterschaften im Wildwasserrennsport

Mitten in den Pyrenäen im spanischen Sort fanden Anfang Juni die Weltmeisterschaften im Kanu-Wildwasserrennsport statt. Bei zunächst perfekten Wetter- und Wasserstandsbedingungen starteten die Weltmeisterschaften auf der klassischen Distanz. Sintflutartige Regenfälle ließen bereits am zweiten Tag der WM den Noguera Pallaresa schnell bis zur Unfahrbarkeit anschwellen und die Wettkämpfe mussten unterbrochen werden. Es kam zu Streckenverlegungen und Zeitplanänderungen, die nur von den Organisatoren sondern auch von den Sportlern einiges abverlangten. Um die vielen Wettkämpfe im Classic und Sprint durchführen zu können mussten einige Athleten bis zu viermal am vorletzten Wettkampftag an den Start gehen. Trotz alledem war das deutsche Team bestens aufgestellt und konnte sich an die immer ändernden Bedingungen gut anpassen.

Erste Medaille durch Achim Overbeck.


Gleich am ersten Tag der Wettkämpfe sicherte sich der Braunschweiger Achim Overbeck die Silbermedaille im Classicrennen der Kajakeiner hinter dem Franzosen Loic Vinisale. „Damit habe ich selber nicht gerechnet, es war ein hartes Rennen, ich fühlte mich lahm, aber war es scheinbar nicht“, meinte Achim später überglücklich im Ziel.

Normen Weber kam im Einercanadier bereits im ersten Teil der schwierigen Strecke vom Kurs ab und kenterte in der „crazy Mile“, dem schwersten Stück der Strecke auf dem viele Felsen unübersichtlich unterhalb der Wasseroberfläche liegen. Insgesamt musste er dreimal in dem eisigen Wasser Rollen, so dass ihm auf der langen Schlusspassage bis zum Ziel die nötigen Körner fehlten. Er belegte am Ende Platz 13. Bester deutscher Teilnehmer war hier Julian Rohn auf Platz 10.


Gold für die „kleine Schwester“


Nach einer langen verregneten Nacht stieg der Pegel des Noguera Pallaresa deutlich an, aber die Wettkämpfe der Damen und der Zweiercanadier am zweiten Tag konnten durchgeführt werden. Alke Overbeck meisterte die Passagen durch die immer höher werdenden Wellen und Walzen durch das „Glory Hole“ am besten und gewann für alle völlig überraschend die Goldmedaille bei den Damen. Ihr Bruder Achim war im Ziel mächtig stolz auf seine kleine Schwester: „Jetzt war Alke die schnellste Dame der Welt. Jetzt ist nicht nur besser als ich, sondern war von ihrer Fahrzeit auch noch schneller – einfach Wahnsinn!“



Im Zweiercanadier verpassten die Fuldaer Johannes Baumann und Lars Walter mit Platz vier und nur einer Sekunde Rückstand auf der fast 19 Minuten langen Strecke nur knapp einen Medaillenrang.

Hochwasser stoppt die WM

Aufgrund der anhaltenden Regenfälle schwoll der Pegel des Noguera Pallaresa von einem Rennwasserstand von 70cm³/s auf über 240 cm³/s an und die weiteren Wettkämpfe wurden vorerst auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Das deutsche Team nutze die Ruhetage und bereitete sich auf dem nahe gelegenen See auf die weiteren Rennen vor. Als dann am Freitagnachmittag feststand, dass alle bis dato gestrichenen Wettkämpfe am Samstag auf einer verlegten Strecke stattfinden werden, konnten alle Teams noch schnell ein paar Touren auf der neuen, aber wesentlich einfacheren und kürzeren Strecke unterhalb von Sort, absolvieren. Es folgte ein straffes Programm am Samstag, mit zuerst den beiden Läufen der Teamrennen im Sprint, danach die World Masters und zuletzt die Teamrennen auf der neuen Classicstrecke.



5 Medaillen bei den Teamrennen

Normen Weber, Julian Rohn und Dominik Pesch sorgten gleich zu Beginn der Teamsprints für die erste Medaille des Tages. Sie wurden dritte hinter den Teams aus Frankreich und Croatien. Als Titelverteidiger gingen sie dann am Nachmittag in die Classicwettkämpfe. Die Enttäuschung war allen dreien ins Gesicht geschrieben als das Paddel von Dominik in der Startphase abriss und das Team das Rennen nicht einmal mehr beginnen konnte.

Bei den Damen konnten sich Birgit Bach, Sabine Füßer und Alke Overbeck die Silbermedaille im Sprint erpaddeln. Im Classicrennen konnte dann Alke Overbeck ihre Medaillensammlung mit Gold, Silber und Bronze komplettieren. Sie gewann zusammen mit den Rosenheimerinnen Manuela Stöberl und Maria Hollerieth Bronze.

Nach den verpassten Medaillen im Zweiercanadier mit den Plätzen 4 im Classic Einzel und 4 im Teamsprint konnten sich Johannes Baumann / Lars Walter, Uli Andree / Patrik Driesch und Maik Schmitz / Nils Knippling endlich über eine Medaille im Classicteam freuen. Das deutsche Sextett gewann überlegen die Goldmedaille vor. Damit kehren Uli Andree und Patrik Driesch bereits zum dritten Mal in Folge mit einer Goldmedaille von den Weltmeisterschaften nach Hause.

Im Sprintteam noch abgeschlagen auf Platz 8 konnte das deutsche Herrenteam auf der Classicstrecke die Silbermedaille erpaddeln. Sören Falkenhain, Tobias Bong und Achim Overbeck lieferten sich ein spannendes Rennen mit dem Team aus Tschechien, dass dieses dann mit 0,5 Sekunden Vorsprung für sich entschied.



Baumann-Walter gewinnen Bronze im Sprint

Viele Zuschauer säumten dann das Ufer bei den Sprintentscheidungen am letzten Tag.  In aussichtsreiche Position konnte sich Normen Weber nach dem ersten Lauf mit Bestzeit im Einercanadier setzen. Auch im zweiten Lauf fuhr er eine ähnlich gute Zeit ohne größere Fehler auf der Strecke, rutschte aber noch auf Position zurück. Dennoch war er mit seinem Sprintrennen zufrieden: „ Zwei hervorragende Sprintläufe motivieren mich um in den nächsten 3 Wochen nach Edelmetall auf den Weltcups zu greifen“.

Als beste deutsche Sportlerin konnte sich Sabine Füßer im zweiten Lauf noch auf Position fünf verbessern und war nach ihrer langen verletzungsbedingten Pause am Anfang der Saison äußerst zufrieden mit ihrer Leistung. Im Kajak der Herren kam Sören Falkenhain als bester deutscher Sportler auf Platz 7.

Das Fuldaer Duo Johannes Baumann und Lars Walter sorgten mit ihrem dritten Platz für die einzige Medaille im Sprint für das deutsche Team: „ Für uns ging  jetzt ein Traum in Erfüllung, dass wir neben dem Weltmeistertitel in der Mannschaft auch noch mit einer Einzelmedaille zurück nach Fulda kehren, hätten wir vorher nicht erwartet.“


Der Sprint am Sonntag wurde live im spanischen Fernsehen übertragen. Für die Zuschauer im Startbereich des Sprints stand eine Leinwand zur Verfügung, auf der sie alles mitverfolgen konnten. Für die Sportler an sich war es aber schon ein komisches Gefühl, ins Ziel zu kommen und dort wenn überhaupt nur die eigene Laufzeit zu erfahren und niemand wusste so recht, wer gewonnen hat. Eine Weltmeisterschaft, die zwar etwas chaotisch aber dennoch mit 2 Gold-, 3 Silber- und 3 Bronzemedaillen und Platz 3 im Medaillenspiegel hinter Frankreich und Tschechien erfolgreich für das deutsche Team verlief. Erfolgreichste Teilnehmer im deutschen Team waren die Geschwister Alke und Achim Overbeck, die mit einer Goldmedaille, drei Silbermedaillen und einer Bronzemedaille nach Braunschweig zurückkehren werden.


Direkt im Anschluss an die Weltmeisterschaft macht sich die deutsche Mannschaft auf den langen Weg zu den Weltcuprennen in Bovec (SLO), Sondrio (ITA) und Lofer (AUT) und versucht dort an die Erfolge der WM anzuknüpfen.

weitere Fotos von der WM http://www.sort2010.org/ca/fotos/

Videos aus Sort unter http://www.wwtv.it/eng/Sort2010.html